Hettmansdorf, Bergtaiding (1580)

Wie das pergtaiding gehalten soll werden.

Wir haben jarlich zu besetzen durch unser anwalden das pergtaiding zwier im jar, an sant Georgen tag und an sand Jacobs tag im schnit. und so das besetzt wierdt, soll ain ieder perkzinßman genn Hettmanstorff kumen und daselbs vermelden unser und unsers gotshauss auch sein gerechtigkait. welcher aber ôn irung ehafter nott zu denselben pergtaiding nicht kumbt und das versitzt, der ist uns puesfällig nach erkanntnus der perggenoßen 72 dn.

Es soll auch daselbß vermeldt werden das wir durch uns selbs oder unsern anwald alle lechenschaft in dem drein hüetn in dem perg daselbs zu Hettmanstarf haben zu richten, doch unvergriffen etlicher herrn grunt ierer gruntgerechtigkait, die doch unser anwalt leichet und darumb die anlaitphening innimbt, aber die ablaitpfphening sollen den rechten geraicht werden.

Item, es solle auch vermeldet werden das ain ieder sein perkrechtiner drein tagen ôn verziechen nachdem und er geleßen hat in unsern keller zu Hettmanstarff raichen [soll]. thuet er das nit und lest in verjeßen, so soll er im geben und bezallen mit lautern wein zu s. Gilgen tag gehämbt unz an die mosthämb. beschäch aber das nit in solicher bemelter zeit, so geet nach dem sant Gilgen tag alle 14 tag auf den weingarten davon solcher pergmost geraicht soll werden zu wandl sechs ß phening. darumb sol zu ieden tag recht geföcht und geschechen.

Es soll auch in demselben pergtaiding vermeldt werden das wir die gerechtigkait haben das unß vierzechen tag vor dem leßen voran zuegesagt werde zu dem leßen. so haben wir zwen tag alßdan bevor das niemants daran leßen soll. tatt aber iemants dawider, der ist uns vällig, ist er ain edlman zwenunddreissig phunt phening, ist er ain burger oder pauer funf tal. dn, außgenumen es käme dann ain grosser gottßgewalt oder ungewitter, merklicher notturft wegen ungefärlich so mecht ainer mit uns anheben zu lösen, doch mit unser oder unser anwalt wissen und willen.

Item, wer von ainem weingarten das perkrecht dient, soll seinem herrn den verlaß geben und nicht auß den trebern gewern, soll auch den most nit in ain schmekents assich gießen und den also süeßn den perkherrn antworten.
er soll auch seinen herrn gwern auß dem weingorten davon er dient. wurde es aber in dem weingorten nicht, so soll er daß anderßwo kaufen da alß guet wein wechst als in denselben weingarten.

Item, es gewert woll ain iedermann auf s. Georgen tag mit guetem wein sein perkrecht. hat er sein nicht auf s. Jorgen tag, spricht in der perkmaister zue in acht tagen, so kumbt der perkholt umb sechzig phening, den andern tag aber umb 60 phening und den dritten aber umb 60 phening, das ist 6 ß dn. so mag er das nimer auf den weingarten gen alß vil wandl gee auf ainen pergphening oder auf ain perkhelbling in allen den rechten alß auf den wein.

Item, es soll ain iedelicher man umb sein perkrecht phenten oder umb sein wandel aufden pergen nach dem perktaiding uber sechs wochen; [phendt er aber nit uber sechs wochen,] so haben sich die recht all vergangen. mag er aber phantung auf den perg umb sein vorgemelt pueß nit haben, so soll er ain stöcken für den weingarten schlachen und ime verpieten 60 dn: wan er oder iemant von seinentweegen in dem weingorten geet, alß oft ist er 60 dn fällig. und wan in des verdreusst, so soll er im ainen richter und sein perknoßen darumb nidersetzen und in darauf furfordern und solich pueß vor den raiten und summiern laßen, sich dan des erbs underwinden unz alß lang as er darumb bezallt werd. solch recht mag der herr oder der perk-maister an seiner statt suechen.

Item, das perkrecht ist ain ieder dem pergherrn phlichtig zu fuern alß er ains tailß bei der sunen schein faren mag ungefärlich.

Item, welcher perkhold sich mit aigen ruggen auf ain weingarten zeucht, der mueß dienn alß ain ander hold.

Item, es soll ain ieder man auf s. Georgen tag oder welchen tag man das perkrecht oder taiding daselbs besitzt sein bei den pergtaiding oder ainer an seiner statt, und soll hören ob in iemand ichts zeichet, wan man ieden fürpeut in dem pergtaiding.

Item, es soll ain ieder herr sein perggnoßen in dem pergtaiding nidersetzen. mag er aber der sein nicht alß vill gehaben, so mag er ander herrn pergnoßen nidersetzen und nicht ander ausser leüt.

Item, es mag ain ieder von seinem pergherrn oder perkmaister mit recht dingen, doch ee wan das urtl an dem dritten kumbt für der abbtessin keller genn Gösß etc.

Item, was sich mit krieg da anhebt, das soll sich daselbs zu Hettmanstorff enden mit dem perkgenoßen die zu den zeiten da seint, ob icht ierung darine wurde. das urtl soll man dingen gen Gösß für den keller, und soll nicht täg geben hinnach noch vor dan auf die zwenn taitüngtag. und das urtl soll man herwider außpringen für die pergnoßen auf die nägsten pergtaidingtäg.

Item, ain ieder perkmaister oder perkherr soll dem erben das erb das in angestorben ist leichen. und ob er das drei stunt an im erfordert, wollt in der perkherr oder perkmaister nicht leichen, so gescheche verer darumb was reeht sei.

Item, all gemacht, geschäft oder sätz die auf perkrecht geschechent, die sullen mit des perkherrn oder perkmaisters hand beschechen, sonst hat das kain craft.

Item, wan ain pergholt mit dem todt abgeet und kain erben hat oder lässt, so ist daß selb perkrecht mit recht dem herrn ledig worden.

Item, wer seines perkrechts in jar und ain tag unversprochen bei ainem inner lants wanuhaft in nutz und gewer geseßen ist, mag er das bezeugen alß recht ist, der ist hin gemainklich geruet.
Standort
Wien | Bundesland: Wien | Eigentümer: Österreichisches Staatsarchiv | InvNr.: Haus-, Hof und Staatsarchiv, NÖ Acten Fasc. 8 | Seiten: 15a-17a |
Herkunft / Fundort
Hettmannsdorf | BH: Neunkirchen | Bundesland: Niederösterreich |
nähere Angaben
Entstehung: 1580 |
Literaturhinweise
Gustav Winter (Hg.), Niederösterreichische Weistümer. Teil 1: Das Viertel unter dem Wiener Walde (Österreichische Weistümer 7). Wien-Leipzig 1886, S. 182-186, Nr. 32/2/2A (Edition).

Kategorien: Rechtsquellen | Bergtaiding

<< zurück