Baden, Gerechtigkeit des Klosters Gaming über seine Bergrechtsweingärten zu Baden (1415)

Vermerkcht die gerechtikait so die geistlichen herren von Gemnigk habent uber ir perkchrecht aller irer perg ze Paden, der sich ein ieglicher ir perkchschreiber halden süllen, als das ir stiftbrief klärlicher ausbeisent die in von ainem unzt auf den anderen von den allerdurchleuchtigisten fürsten von Osterreich unzt her in darumb gegeben ist worden.

Am ersten.


Item, wann lesen zeit, wer dann in dem perg oder perigen der egenanten klosterleut perkchrechts lesen wil, der sol das vor dem pergmaister ze wissen tuen. und nach sölhem [ze] wissen [tuen] mag ieder man lesen wann er wil oder mag, doch ausgenomen ob ain weingarten von ainem gelter oder ainem anderen mann der darzuo ze sprechen hiet in verpot gelegt [wurt] mit pergmaisters oder ambtmans handen, der sol ân besunder urlaub des pergmaisters oder ambtmans nicht gelesen [werden]. wer das aber überfuoer und ân sölichs urlaub lëss, der sol dem perkcherren verfallen sein 10 tal. dn.

Item, und ob auch die nütz [die] in dem selben weingarten wagsent ân urlaub von dann gefuoert würden, so mag der pergmaister oder ambtman auf den grunt klagen als lang unzt das die selben nütz wider auf den grunt komen; die süllen dann dem gelter oder klager wartund sein als vërpotes und des perkchrechts recht ist ungevërdlich.

Item, wann dem pergmaister oder ambtman das lesen von iedem mann also verkünd und ze wissen getan wirdt als vor beruoert ist, so sol der pergmaister oder sein anbalt das perkchrecht vor dem weingarten nemen. ob aber der pergmaeister oder sein anwalt nach dem perkchrecht nicht kaem als gewonhait ist, so sol man im das in ain schönns assaech das ein poden hab giessen und das voitrecht darin stekchen und es inderthalb des fritz in den weingarten mit ainer gewissen setzen und ainen poten dabei haben unzt das sich tag und nacht schaidet. chümbt aber der pergmaeister oder sein anbalt in der zeit nicht darnach und nimbt es, würd dann das assäch vërloren oder umbgekert, so ist man dem perkcherren fürbaß darumb nichts mer phlichtig und das verloren assaech ist der perkcherre schuldig zu bezalen.

Item, geschëch aber das iemant laese der daz dem pergmaister oder ambtman nicht ze wissen teat als vor beruoert ist und das perkchrecht ân urlaub von dann fuoeret, so sol es sich an dem dritten tag zwispilen, und mit dem selben zwispilen sol es sten unzt auf das nagst perkchtaiding, so mag man dann klagen auf den grunt und darumb ze wissen tüen als des perkchrechts recht ist. und sölich klag umb die zwispil sol man tuoen ie zü vierzehen tagen so lang unzt das der weingarten nach seinem wert tewr genuog wirt, es sei umb perkchrecht oder umb grüntdienst.

Item, ob das perkchrecht in ainem weingarten des vorgenanten pergs nicht würd, so sol es der des der weingarten ist andersbo kaufen da es dann als guot sei als da.

Item, wann ain weingarten zwaei jar ungesniten und unverdient beleibt, so mag man in ze reis sagen, doch also das man dem des der weingarten ist oder seinem anbalt darumb zü wissen tuoe ob er den selben weingarten umb den versessen dinst welle verantwürten. wil er es nicht tuen, so sol der pergmaister die vierer seins pergs darauf senden das si in beschawn, und nach dem selben beschawen sol der pergmaister die vierer in dem pergtaiding darumb verhoren ob der weingarten öd oder urpaw lige und ze reis ze sagen sei umb den versessen dienst. und nach der selben verhörung sol der pergmaister in dem perkchtaeiding auf den selben weingarten klagen und den in dem nachtaiding ganz behaben und ainen behabbrief darüber nemen.

Item, es sol auch niemant ân seins perkcherren oder gruntherren urlaub oder willen überzins auf sein weingarten oder guoet legen. wer das darüber tët, das sol kain kraft nicht haben.

Wer auch anvërt oder abvërt und inner jarsfrist ainen weingarten von dem pergmaister nicht enphahet als recht ist, der selb weingarten sol dem perkcherren auf gnad vervallen sein.

Item, wer mit frevel oder mit werhafter hant alain oder mit anderen leuten in dem perg ainem oder menigerm nachget den oder die er laidigen wolt, der sol dem perkcherren vervallen sein 10 tal. dn, und die di von der sachen wegen mit im geent, der selben iegleicher wievil der ist sol dem perkcherren vervallen sein fünf phunt phening oder ainer hant ob er des guoets nicht hat. darzuo sullen dem pergmaister aller harnasch und verpotne wer die di selben leut tragent auch vervallen sein.

Item, wer die vierer die über den perg gesatzt seind freaveleich widertreibt, der ist dem perkcherren vervallen 10 tal. dn und iedem vierer 5 tal. dn wer aber das die vierer dürch gunst guot freundschaft oder in ander weg anders tëtten denn recht ist, die seind dem perkchherren der pën vervallen als man in in den egenanten sachen phlichtig wër.

Und des ze urkund geben wir den brief vërsigilten mit unserm anhangundem insigill, der geben ist zu Wienn an freitag vor oculi in der vasten nach Cristi gebürd vierzehenhundert jar und darnach in dem fünfzehenten jare.

Herrschaft
Kloster Gaming
Standort
Baden | BH: Baden | Bundesland: Niederösterreich | Eigentümer: Stadtarchiv | InvNr.: Abt. I, c, Nr. 2: Soosser und Kaltenberger Bergrechtsgrundbuch | Seiten: 46b-48a |
Herkunft / Fundort
Baden | BH: Baden | Bundesland: Niederösterreich |
nähere Angaben
exaktes Datum: 1415 März 1 | Entstehung: 1415 |
Literaturhinweise
Gustav Winter (Hg.), Niederösterreichische Weistümer. Teil 1: Das Viertel unter dem Wiener Walde (Österreichische Weistümer 7). Wien-Leipzig 1886, S. 490-492, Nr. 88 (Edition).

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