Simmering, Banntaiding (Ende 17. Jh.)

Dorfobrikeit.


Zu Simering gehert die dorfsobrikeit und alle jurisdiction dem wolehrwirdigen jungfrauencloster zun Himmelporten alß aigenthumlichen innhabern; ist zu den closter alß freisaigen erkauft worden von dem wolgebohrnen herrn herrn Frantz Leopold Colonna freiherrn zu Felß anno 1677 vermög eineß gefertigten anschlag.

Straff und wandl.


Alle straffen ausser malefizsachen geheren dem loblichen jungfrauencloster zun Himmelporten in Wienn alß dorfobrikeit zu Simering und Kletern. die daselbst einkumenden malefizpersohnen aber werden den dritten tag ins lantgericht zu Eberstorf alten herkumen und der außgangenen lantgerichtsordnung nach geantwortet bei der pruken.

Gwöhr- und gruntbuechsgebühr.


Mit der schreibtax wierdt es also gehalten: pfuntgelt wierdt geraitet von iedem gulden kaufrecht drei kreüzer, von ainem oder zwenn kaufbrief ain gulden, von ainer gwöhr ain gulden, vor die förtigung iedes mall dreissig kreüzer, schreibgeld dreissig kreüzer, vor ainen außzug funfzehen kreüzer, vor ain persohn anzuschreiben sechs und widerum abzuthuen sechs kreüzer, abzuggeld von iedem gulden drei kreüzer und wan es von der herschaft kumt doppelt, satzgelt von iedem gulden vier pfening, vor die förtigung dreissig kreüzer und vor die schreibgebühr vierundzwanzig kreüzer, von ainem testament zu eröffnen drei gulden, dasselbe zu prothocollirn ain gulden, inventur und schatzung von ieden gulden.

Volgen die unterthanen zu Simering [12 Namen].

Vierzehen unterthanen zum Schweinizer hoff gehorig [14 Namen].

Fünfundzwanzig bayerische unterthanen [25 Namen].

Ambt zu Klettern [10 Namen].

Pantadüng.


Vermerkt die gerechtikait so die ganze gemain zu Simering hat und von alters hero daselbst observirt und gehalten worden.

 [Es folgt eine sehr weitläufige Beschreibung der Grenzen von Freiung und Mark zu Simmering mit genauer topographischer Bestimmung der Grenzsteine und Angabe der Entfernung von Stein zu Stein un Klaftern]

Panntadung.


Allweg im anderten jahr an st. Philippen tag soll zu Simering daß pannthädung gehalten und derselben freiheiten alten gebrauch nach verlesen, darauf richter und geschwohrne gesezt und geordnet werden.

Item, daß ist auch unsers aigens gerechtikeit daß der dorfrichter neben seinen zuegeaigneten geschwohrnen ihres gehabten ambst an st. Philippen tag mit gebührender beschaidenhait urlaub nemen sollen. darauf stehet der dorfobrikeit zuvorderist zue nach gewölten neüen dorfrichter nach dero belieben ainen zum geschwöhrnen, sodan die gmainen ainen und der richter ainen außzuküssen und zu erwöllen, hernach dieselben alle zu bestöttigen und die aitspflichten von ihnen aufzunemen. und welcher darwider redet oder wolt daß nicht thuen, den soll die herschaft mit ernst darzue halten.

Item, dieselben richter und geschwohrne sollen gewalt haben zu stainen und zu spännen wer sie darum bitt und ihnen ihr gerechtikeit darum gibt. wer ihr ainen oder sie alle widertrib, so hat er von iedem insonders gefrevelt sechs schilling zwenn pfening.

Item, eß soll niemant wisen noch äcker oder weingärten ohne der vier willen weder stainen noch rainen. wer daß darüber thett, der ist wandel pflichtig.

Item, eß soll auch niemant hieter sezen dan die vier mit der nachbahrn willen. und man ist dem hüeter nicht mehr pflichtig alß waß die vier ihme gesezt haben. er soll auch nicht verer greifen.

Item, der dorfrichter hat zu richten auf der gassen, auf dem velt und in den leitgebhaüsern, welches herrn holt da schenkt, wie sich daß begibt, eß seie mit worten oder mit werken.

Item, wer auf die gassen lauft in frävel mit einem spieß mit einem schwert mit einer pichsen mit ainer haken mit ainem stain oder andern, die seint wandel pflichtig von iedem waffen besonders finf pfunt pfening. und wan ainer mit der hant oder mit der faust einen schlueg, der ist wandel pflichtig ain pfunt pfening.

Item, wer mösser, schwert oder andere waffen in gefehr zuket, der ist wandel pflichtig zwenundsibenzig pfening.

Item, wer einen verwundt, eß sei fliessent oder schemwunten, der ist wandel pflichtig nach den schaden.

Item, eß soll auch kein leitgeb nicht porgen auf bluetiges gewant, ungesottenes garn und auf ungewuntenes trait. wäre aber daß man einen solchen mit wahrheit erfuehr daß er solche pfant, als bluetigs gewant oder ungesottenes garn oder ungewuntenes trait daß gestollen wär, einneme kauft oder darauf liche, den soll man straffen und halten als einen schödlichen mann.

Item, ob aineß gesessenen mannß sohn zu den leitgeben käm und spillet, dem soll der leitgeb und der spiller nicht mehr borgen dan er umb und an hat. wär aber daß ihme der leitgeb oder der spiller mehr borget dan er umb und an hat, daß ist niemant schuldig zu gelten, er woll es dan gern zallen.

Item, ob aineß sein dienstknecht käm zu den wein und spillet, dem soll der spiller noch der leitgeb nit mehr borgen noch abziechen, ob er verspilt oder verzört, dan er ob der güertl an hat.

Item, eß soll auch kein leitgeb keiner frauen die einen mann hat nicht mehr porgen dan zwölf pfening ohn ihres mannß willen. wär aber daß ihr der leitgeb mehr porget ohne ihres mannß wissen, daß ist man ihme nit pflichtig zu gelden, er wolle es dan gern zahlen.

Eß soll auch keiner dem andern seinen fruchtbahren paum, felber oder andere stimeln noch abhaken. alß oft er einen ast abschlagt alß oft ist er wandel pflichtig. schlögt er ihn aber gar nider, so ist er aber grösserer pöen verfallen.

Verners ist zu wissen daß alle die haußlichen sizen in dem dorf zu Simering von alters her der maut zu Schwechat befreit sein.

Und ist unsers aigens gerechtikeit daß ein ieder der daselbst gesessen ist an st. Philippen tag den jahrschilling geben soll. zu verstehen daß derselbe jahrschilling herkumt von der pruken zu Schwechat, daß sie sich bei derselben zu bëssern und zu robatten guetwillig einfinden, dahingegen der mauth frei sein sollen: für solche mauth gibt ieder gesessener jahrlich den jahrschilling, deß nit mehr dan zwenn pfening ist.

Item, ob ein feür außkäme in dem aigen, so soll ein ieder zuelaufen und rötten. ob er daß nit thät daß er mainet es wehre ferr von ihm und wolt sich deß trösten, so wehr er wandels pflichtig umb zwaiundsibenzig pfening.

Item, ob einer feintschaft hette, der soll zu dem feür und von dem feür sicher sein. wuerde er aber angegriffen durch seinen feint, derselbe ist wandels pflichtig drei schilling und zwenn pfening.

Item, wer dahin kumt nach Simering, es sei fraw oder mann, der hat freiung unzt an den dritten tag umb all erbahr sachen. und wan die drei täg außgangen sein, ob er will so mag er über der march außgehen drei tritt; kumt er hinwider so hat er aber drei tag freiung, und mag daß thuen alß oft er will unzt er sein sach verbessern mag. wer daß nit glauben wolt und darwider thett, der stehet in der straff der dorfobrikeit alß einer der wider die freiung in Össterreich gethan hett.

Item, ieder haußwierth und die seinen sollen mit fridt in ihren hauß sein bei tag und bei nacht.

Item, wär aber daß ainer, es wär frau oder mann, kumen für aineß andern hauß bei tag oder bei nacht mit scheltworten und fordert den wierth oder die seinen in ubel herauß, der hat gefrevelt und ist pflichtig darumen zu biessen.

Item, ob ainer ainem andern bei der nacht in sein hauß kem und wierdt dessen der wierth gewahr und sprech zu ihme waß er bei der nacht in seinem hauß thett, und wolt jener der in daß hauß kumen war nicht antworten oder wolt dem wierth überhant angewihnnen, sticht oder schlagt der wierth denselben darüber wunt, so ist er dem gericht noch iemants andern wan er daß beweiset darumen mehr nicht schuldig noch pflichtig.

Item, ob man ainem an seinem fenster lisnet, sticht der wierth herauß und verlezet ihn, der solle nit fueg haben an denselben ainigen abtrag seines empfangenen schadens zu fordern.

Item, ob man ainen übel handlet in seinem hauß oder der wierth ainen übel handlet herauß auß seinem hauß, die seint wandel pflichtig zwennundsibenzig pfening und nachdeme sich die wort verlaufen.

Item, wäre auch daß ainer dem andern in ubel in sein hauß lief, alß oft er über ein thürgesschwöll lauft alß oft hat er gefrevelt, und ob er dem wierth oder den seinigen icht schaden zuefüegt, nachdem und er den schaden thuet darnach ist er abermallen wandel pflichtig.

Item, es mag kein mann seiner haußfrauen noch seinen kindern ihres guets weder verdiepen noch verfechten oder ohne wissen einem andern verpföenten.

Item, ob ainem nachbawrn gestollen wierdt hier auf dem aigen und wo der diep begriffen wierdt, so lest er sein guet mit zwölf pfening ain ieder haußgesessener, daß ist unsers aigens gerechtikeit.

Item, ob ain diep herkäme auf daß aigen und hette außwendig gestohlen und zu einen wierth käm, und daß der wierth überwärt wierdt daß der diep darinen wehr und wolt ihm davon helfen, der ist wandels pflichtig. - Fragt waß daß wandel sei? - Man soll den wierth nemen an des dieps statt.

Ist auch zu mehrern ansehen, damit die dieperei nit gefürdert oder zuegesehen wuerde, in allen panthadungen betrachtet worden daß ein ieglicher wierth ein trew aufsehen auf sein volk haben soll, damit dieselben ieden mann ohne schaden und nachthail sein. begäbe sich aber daß ainem ainigerlei nachthail von denselben innleiten mit urken außtragen, dieperei und anderer bösen stuken bewisen wuerde, soll der wierth desselben inmannß darumen gepiesst werden, damit daß ubel nit gestattet und die erbahrkeit gefürdert wierdt.

Item, ob aber ein diep hier gefangen wierdt auf den aigen, so soll man ihm dan gehalten unzt an den dritten tag, den lantgerichtsherrn dessen erinern und sodan daß jenige volziechen waß dißfalls die außgangene kaiserliche lantgerichtsordnung außweiset.

Item, ich melde daß anstath der ganzen gemain daß alda zu Simering seie ein freiß aigen dem armen alß dem reichen mit der wait. wehre aber daß sich einer deß trösten wolt und wolt im summer mehr viech halten alß er in dem winter vermecht, daß soll man ihme untersagen. thuet ers an dem dritten tag nit fürter so soll man ihms pföenten, von iedem haupt zwölf pfening.

Item, daß ist auch unßers aigens gerechtikeit daß ein ieder soll sein viech für den halter treiben. thett er aber deß nicht und thett einem schaden mit dem viech, so mueß er den schaden zallen und dennoch dem halter seinen lohn geben.

Item, daß ist unsers aigens gerechtikeit daß ein ieder fleischhaker soll haben auf der wait waß er von ainem sambstag auf den andern verfleischhaken mag.

Item ist unsers aigens gerechtikeit daß ieder schuldig seie zu erscheinen zu der pannthädung bei zwölf pfening wandel. währ aber daß er ihrrung hiet von herrngeschäft oder gottes gewalt, so ist er nicht wandels pflichtig.

Item ist unsers aigens gerechtikeit: ein ieder der den richter oder ainen geschwohrnen widertreibt in sachen deß er recht hat, der ist finf pfunt pfening wandels verfallen.

Währe aber daß sich ein richter oder geschwohrner gerichtsbeisizer deß trösten wolt daß er in solchen ambt size und wolt einen andern in der gemain wider recht und gebühr treiben, der ist doppelt und umb zehen pfunt pfening zu bestraffen.

Item, daß ist auch unsers aigens gerechtikeit daß kein lödiger gesell kein arbeit aus dem dorf nicht gewinnen soll vil weniger pau für sich selbst aufnemen noch ainem andern lohn sezen soll, außgenomen richter und geschwohrne oder zum wenigsten mit ihren wissen und bewilligung. wäre daß man einen solchen uberwäret hinfüro, der ist wandels pflichtig zwaiundsibenzig pfening.

Item ist unsers aigens gerechtikeit daß keiner so nicht aigne behausung hat nicht wein herführen noch die schenken soll. wäre aber daß ainer daß thett so ist er wandels pflichtig, nemblich man soll ihm den wein nemen, der halbe thail dem dorfherrn verfallen und der halbe thail unter die ganz ersame gmain außgethailt werden.

Eß soll auch keiner, er seie lödig oder haußgeseßen, nach st. Martini tag keinen wein her in daß aigen führen, es wäre dan daß kein wein in dem aigen verhanten oder daß die nachbahrn umb einen zimlichen pfening keinen schenken wolten, so mecht man dan wol wein herführen und der gemain umb einen zimlichen pfening zu schenken verstattet werden, damit vermiden bleib eineß besen ruefs so auf daß aigen kumen mecht durch die so mit solchen schenken in armueth kumen oder dardurch daß umgeld und täz entzogen, auch darneben die leit angesezt worden und ander ubel darauß entsprungen. wo aber derohalben einer mit weinschenken verziehen und nachmals, dieweil kein wein oder wenig wein verhanten, und er daß aigen staigern und über den werth schenken wolt, so sollen richter und geschwohrne solches nicht gestatten sondern ihme denselben wein zimlich sezen, damit die gemain nicht getrungen oder beschwärt werde.

Item, daß ist auch unsers aigens gerechtikeit daß ein ieder der da bei der nacht schaden thuet in den wisen williglich mit rossen oder mit andern viech, der ist wandels pflichtig von iedem haubt dreissig pfening neben den schaden.

Item, ein ieder der bei der nacht stillt ainem auß ainem garten eß seie obst oder ander ding, der begriffen wierdt, der ist wandels pflichtig; man soll ihm nemen an aineß dieps statt.

Item, ob ainer herkäm auf daß aigen der da brächt bluetigs gewant oder ungesottenes garn oder ungebundenes trait und wolt daß verkaufen, der ist gleichen wandels pflichtig; man soll ihm nemen an aines diebs statt.

Item ist unsers aigens gerechtikeit daß die geschwohrnen gehen und beschauen die feüerstött vor dem nachtading und unrecht weg. und wan sie daß beschaut haben, daß man daß am dritten tag nit wendet, so ist derselbe wandels pflichtig von ainem weg dreissig pfening und von ainer feürstatt zwaiundsibenzig pfening.

Item ist auch unsers aigens gerechtikeit daß die pflanzlant im frid sein sollen. ob aber ainer begriffen wuerde der da abbrech einen zaun oder laden, der ist des wandels pflichtig von iedem ötter oder laden zwölf pfening und von iedem pästall oder fach zwaiundsibenzig pfening.

Item, wo ainer begriffen wuerd der einem seinen prunhängst auß denen lanten trueg, der ist auch wandels pflichtig umb dreissig pfening.

Item ist ein ieder schuldig seinen prun in den lanten und auch in den krautgärten also zu machen daß sie ein starke spann über die erden gehen. wäre aber daß er des nicht thet. so ist er wandels pflichtig, und ob ainem ain viech darein fiele so soll er ihme daß bezallen.

Item, daß ist auch unsers aigens gerechtikeit daß ein ieder seine leit nicht schiken soll daß sie schneiden oder grassen in denen lanten, außgenomen sie seint seine lant. ob aber ainß begriffen wuerde auf ainen andern lant, daß ist wandels pflichtig umb zwölf pfening.

Item, eß soll niemant schneiden oder grasen zwischen den trait auf den rainen noch zu weingarten auf den rainen weil es in den gilben ist. wuerde aber ains begriffen, daß ist wandels pflichtig umb zwölf pfening.

In denen krautgarten soll niemant die macht haben zu pföenten unzt alß lang daß man daß kraut sezt. wäre aber daß ainer mainet er wolt daß graß mehr geniessen dan des krauts, so fride er den garten auß.

Item, daß ist auch unsers aigens gerechtikait daß kein weinzetl der da paut und hie gesessen ist kein uberstik soll eintragen der lönger ist dan ain daumelln. wierdt er aber darüber ergriffen, so ist er wandels pflichtig von iedem stöken zwölf pfening.

Item, eß soll niemant zeisselprunen machen oder graben. wäre aber daß ainer begriffen wuert oder daß ainem ain viech darein fiel und darinn verdurb, der ist wandels pflichtig neben [dem] daß er daß viech nach billichen dingen bezallen soll.

Item, eß soll auch niemant kein grueb oder haufen machen auf der gassen. wäre aber daß ainer ain grueb machet, so soll ers widerum einziechen. thät er daß nicht, so ist er wandels pflichtig. geschäche ainem ein schad, es wäre an viech oder an leiten, so soll er den bezallen und dannoch umb dreissig pfening zur wandel verfallen.

Item, daß ist auch unsers aigens gerechtikeit daß niemant keinen stier austreiben soll wan er mit einer kue in ein hauß gehet. thette aber ainer daß und daß der stier verlohren wierdt, der ist wandels pflichtig daß er den stier bezallen soll.

Herrschaft
Besitzer: Himmelpfortkloster
Standort
Wien | Bundesland: Wien | Eigentümer: Wiener Stadt- und Landesarchiv (?) | InvNr.: Ubarium über Simering sambt dessen dorfobrikeit |
Herkunft / Fundort
Simmering (heute Wien, 11. Bezirk) | Bundesland: Wien |
nähere Angaben
Entstehung: 1690 - 1700
Literaturhinweise
Gustav Winter (Hg.), Niederösterreichische Weistümer. Teil 1: Das Viertel unter dem Wiener Walde (Österreichische Weistümer 7). Wien-Leipzig 1886, S. 699-705, Nr. 115/2 (Edition).

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